Direkt zum Inhalt

Picabias Frauen

27.04.2024 - 22.06.2024
Berlin
Francis Picabia, "La résistance", ca. 1943 Öl auf Karton 75 x 52 cm

AN ARTIST  It seems to me artists are not antique enough 

INSTINCT  Morality is a means of living off others for others 

Francis Picabia, Chi-Lo-Sa, 1950

Zu der Ausstellung ist ein Katalog mit einem Text von Dave Hickey erschienen. 

Presse:

Danke für das Durcheinander - Süddeutsche Zeitung vom 24.05.24

Als sich die neuzeitliche Malerei nach prächtigen Jahrhunderten im Paris der 1920/1930er Jahre 
zum Sterben niederlegt, steht Francis Picabia (1879-1953) wie ein verlorener Sohn an ihrer Seite. 
Die Energie, mit der sein Künstlerfreund Duchamp folgenreich die Verurteilung des alten 
Metiers verlangt, verschwendet Picabia in gleichem Maße an dessen Wiederbelebung. Von seinem 
Frust als ehemaliger Dadaist angetrieben, verhilft er 1925 den Figuren von Tizian und Velázquez 
zur Aktualität in Gestalt der „Monster“, welche er provokant mit industrieller Lackfarbe 
behandelt. Damit immunisiert er seine Malerei – und auch weitere „bad paintings“ – gegen die 
Autorität des Geschmacksurteils seiner Zeit. Kurz darauf lockert er das erstickende Korsett des 
Stilbegriffs, indem er 1927 mit den „Transparencies“ auftritt. Die durchscheinende Überlagerung 
mehrerer Figurenpläne öffnet den Bildraum der Malerei zum Musée imaginaire. Der eingefleischte 
Nietzscheaner sucht sein Metier darüber hinaus im Außermoralischen zu kurieren. Picabia lehrt uns 
beispielsweise, die Himmelskönigin aus der romanischen Portalplastik gleichgestellt mit dem Pin-
up-Akt aus einer Illustrierten wahrzunehmen. Der Nachkomme alten spanischen Adels hat auch 
sein Künstlerimage im Wettstreit mit Duchamp und mit dem anderen Spanier in Paris, mit 
Picasso ausgewählt. Während Duchamp die eigene Geistesaristokratie nach dem Vorbild eines 
verarmten Uradligen zelebriert, stellt sich Picabia im Bild eines nomadischen Playboys dar, der 
mit seinen Yachten an der Côte d'Azur vor Anker geht, wenn er nicht gerade im Sportwagen 
vorfährt.  
Der schwindelerregend hohe Intelligenzquotient beider Künstlerfreunde bricht sich im Eros, 
welchen Duchamp als Transvestit zu seinem Motto macht. Der Beau Picabia hingegen ist dem 
chercher la femme derart ergeben, dass ihm Gabrielle Buffet, seine erste Gattin, einen 
Mutterkomplex unterstellt. Jede der zahlreichen intellektuellen Facetten seiner Kunst reflektiert 
die weibliche Figur. Sie ist das Hauptmotiv dieses Œuvre. Die vorgestellte Auswahl von 1925-
1950 ertastet den Puls der Malerei, der in „Picabias Frauen“ überlebensfähig schlägt. 

Die Ausstellung Picabias Frauen eröffnet am Freitag, den 26. April 2024 von 18 – 21 Uhr und ist 
bis zum 22. Juni 2024 in der Galerie Michael Werner, Berlin zu sehen. Zu der Ausstellung 
erscheint ein Katalog mit einem Text von Dave Hickey. 

Ausgewählte Werke
Katalog

Galerie Michael Werner

Hardenbergstr. 9a 
10623 Berlin 
Telefon: +49 30 31491880 
E-Mail: galeriewerner@michaelwerner.de

Öffnungszeiten: 
Dienstags bis Freitags 11 - 18 Uhr 
Samstags 10 - 16 Uhr

Galerie Michael Werner auf

Newsletter